FC Augsburg: Wieder einen Auftakt verpatzt

Samstag, 19. August 2017 um 23:20

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Der FC Augsburg ist mit einer
Niederlage in die neue Saison
gestartet. Zum Auftakt verlor der
FCA mit 0:1 beim Hamburger SV.
Das Tor für die Gastgeber erzielte
Nicolai Müller bereits in der achten
Minute. Der FC Augsburg, mit
nur einem Neuzugang in der Startelf,
zeigte zwar eine ordentliche
Leistung, ließ aber in der Offensive
geniale Momente vermissen.

Die schöne neue Fußballwelt
mit allerlei TechnikSchnickschnack
funktioniert
nur, wenn eben auch die
Technik mitspielt. Bei der 0:1-Niederlage
des FCA in Hamburg stand
der Video-Schiedsrichter die gesamte
Partie über nicht zur Verfügung. Grund war laut DFL ein
technisches Problem auf Seiten
des Dienstleisters hawkeye.

Ob der Video-Schiedsrichter in
der 44. Minute vielleicht doch auf
Elfmeter für Augsburg entschieden
hätte? Alfred Finnbogason
drehte sich im Strafraum um Gideon
Jung, der hielt ihn, Finnbogason
kam zu Fall. Schiedsrichter
Daniel Siebert entschied auf weiterspielen,
hätte über den VideoSchiedsrichter
aber einen Hinweis
aufs Ohr bekommen können, dass
es eben doch ein Elfmeter war. Die
Technik aber streikte, der FCA
verlor und Trainer Manuel Baum
war sauer: „Es ist ärgerlich, wenn
der Video-Schiedsrichter nicht
funktioniert und ich weiß nicht, ob
der Schiedsrichter das überhaupt
gewusst hat. Er verlässt sich ja auf
solche Situationen und pfeift dann
mal lieber nicht. Aber nichtsdestotrotz
müssen wir durch die vielen
Flanken und Bälle in den Sechzehner
einfach die Tore machen. Das
ist das zentrale Thema.“

Nimmt man den Team-Vergleich
zwischen Augsburg und Hamburg
her, hätte der FCA sein Auftaktspiel
erstmals in der Vereinsgeschichte
gewinnen können, ja beinahe
schon müssen: 15:11 Torschüsse,
53:47 Prozent Zweikampfquote,
60:40 Prozent Ballbesitz,
78:62 Prozent Passquote,
7:3 Ecken, 25:7 Flanken, alles TopWerte.

Doch in einer Kategorie
war der HSV führend, in der der
Tore. Und somit verliert der FCA
auch im siebten Jahr in Folge sein
Auftaktspiel, schaffte zu Saisonbeginn
zum sechsten Mal in Serie
nicht einmal ein Tor. „Wir haben es
nicht geschafft, die Bälle im Strafraum
anzubringen“, meinte Michael
Gregoritsch. „Im Endeffekt
war immer ein Hamburger dazwischen.
Ich glaube, dass hier mehr
drin war. Wir haben es aber nicht
geschafft, im entscheidenden Moment
den Pass oder die Flanke
anzubringen. Bis zum Sechzehner
haben wir es ganz gut gespielt,
aber zu den Abschlüssen sind wir
nicht gekommen.“ Der ehemalige
Hamburger blieb über weite Strecken
der Partie harmlos, einmal
stand der Österreicher im Blickfeld,
als er im Strafraum plump zu
Boden fiel. Schiedsrichter Siebert
entscheid – natürlich ohne technische
Hilfsmittel – auf Schwalbe,
Gregoritsch erhielt die gelbe Karte,
gab sein Fehlverhalten aber
auch gleich zu: „Ich warte ein bisschen,
dass Papadopoulos mich
trifft, zieht dann im letzten Moment
weg, aber war ganz klar eine
Schwalbe“, so der Offensivspieler
ehrlich.

Wieder einmal hat der FC Augsburg
seinen Auftakt verpatzt. Dem
Pokal-Aus in Magdeburg (0:2)
folgte die Auswärtsniederlage.
Zählt man die Generalprobe gegen
Eindhoven dazu, ist der FCA seit
270 Minuten torlos. Ein geglückter
Start in die neue Saison sieht anders
aus. Trainer Baum will trotzdem
keinerlei Unruhe aufkommen
lassen: „Man muss die zwei Niederlagen
isoliert betrachten“, meint
der Fußballlehrer bei Sky. „Gegen
Magdeburg haben wir schlecht
gespielt. Gegen Hamburg hätten
wir nicht verlieren dürfen. Natürlich
ärgern wir uns, aber wir müssen
auf dem Boden bleiben und
akribisch sauber weiter arbeiten.“

Auch Kapitän Daniel Baier bemerkte
die Steigerung gegenüber
dem Pokalaus von vor einer Woche:
„Man hat gesehen, dass wir
das Spiel gewinnen wollten. Jeder
hat Verantwortung übernommen
und sich reingehauen, leider haben
wir einmal gepennt und sind da
bestraft worden. Aber insgesamt
muss ich der Mannschaft ein Kompliment
machen. Die Art und Weise
stimmt uns positiv.“
Nur eben das mit dem Toreschießen
klappt beim FCA nicht.

Angreifer Alfred Finnbogason
scheint die Tor-Flaute (er traf beTrainer
Manuel Baum sah gegen Hamburg einen FCA, der vieles richtig machte, sich aber nicht mit Toren belohnte. Foto: getty
reits in den Testspielen nicht) doch
mehr zu belasten als angenommen.
Der Stürmer ist zwar bemüht, torgefährlich
war er gegen Hamburg
aber auch nicht. Und von der Bank
kam – nach dem Abgang von Raul
Bobadilla – auch kein gefährlicher
Stürmer. Bei allem Respekt
für Sergio Cordova – wenn ein
20-Jähriger, der seit gut einem
Monat in Deutschland ist, die beste
Option für den Trainer ist, dann
muss die Joker-Rolle noch einmal
überdacht werden. Somit schaffte
es der FCA nicht, den schnellen
Rückstand durch Nicolai Müller
wenigstens auszugleichen. Der
Flügelflitzer stand in der achten
Minute goldrichtig, als Walace
Caiuby enteilte, perfekt flankte
und Raphael Framberger diese
unterschätzte. Auch Marwin Hitz
sah beim Volley-Schuss des Torschützen
nicht gut aus, schließlich
ging der Knaller ins kurze Eck.

Kurios: Beim Torjubel verletzte
sich Müller, musste kurz darauf
ausgewechselt werden. Unglück
im Glück könnte man da sagen.
Zurück zum FC Augsburg: Wird
der Verein in Folge des verpatzten
Auftakts doch noch auf dem Transfermarkt
tätig? Der bevorstehende
Wechsel von Kostas Stafylidis
zum HSV soll diese Woche finalisiert
werden, damit bräuchte Augsburg
noch einen Außenverteidiger,
ein Angreifer dürfte ebenfalls auf
der Wunschliste stehen. Manager
Stefan Reuter betont aber weiterhin,
dass man immer die Augen
offen halten werde, bekräftigte
aber gleichzeitig auch das Vertrauen
in den Kader.

„Wir sind immer der Underdog,
aber in der Rolle fühlen wir uns
wohl. Wir haben ein Spiel verloren,
da braucht man uns keine
Krise einreden“, gab sich Alfred
Finnbogason äußerlich gelassen.
Denn dass Augsburg braucht, um
in die Gänge zu kommen, ist nichts
neues – auch nicht im (verflixten)
siebten Jahr. Mit freundlicher Unterstützung der Neuen Sonntagspresse

Fotos by Carmen Dammaschke-Gerstmeyr | Fotoanfragen an carmen@carmarc.de

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